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Eine Orientierung

In AK Info, ÖGB Info, BR-Info, GPA Info, Info, Pressemitteilung on Samstag, 12. Juni 2010 at 18:40

Web 2.0, Soziale Medien und ArbeitnehmerInnenvertretung waren Themen einer spannend besetzten Tagung der Gewerkschaft GPA-djp Anfang Mai in Wien.

Und über allem wachte Superbertram, bemüht um Transparenz. Aussehen tut der von Georg Schütz entwickelte „Streamingbot“ wie ein simpler Plastikschneemann, seine Augen sind allerdings zwei steuerbare IP-Cams, die aufnehmen und ins Netz senden, was sich dort abspielt, wo Superbertram zu Gast ist – auf gut Deutsch: Superbertram macht den Livestream, wie auch als Aktivist am Augartenspitz oder im besetzten Audimax.

Zwei spannende Tage
Eingeladen wurden das Kunstobjekt und sein Schöpfer von den Organisatoren der Tagung „Web 2.0 und Soziale Medien – eine Orientierung“ Werner Drizhal und Hans Christian Voigt.

Den Auftakt der zweitägigen Veranstaltung Anfang Mai boten drei Workshops. In einem berichteten bloggende BetriebsrätInnen von ihren vielfältigen Erfahrungen.

Interessante Inputs kamen unter anderem von den BloggerInnen vom SIS Siemens Betriebsrat, dem Betriebsrat METRO Cash & Carry Österreich, dem Betriebsrat des wissenschaftlichen Personals der MedUni Wien, dem Betriebsrat Bank Austria Finanzservice und dem Betriebsrat AustroPort. Geleitet wurde der Workshop von GPA-djp-SekretärInnen Barbara Marx („Studierende-Blog„) und Thomas Kreiml (Arbeit&Technik).

„Streik – Aktionen – Kampagnen und das Social Web“ waren Thema des parallel dazu stattfindenden zweiten Workshops.
Den moderierten Alfred Ackerbauer und Christoph Sykora, die mit Kampagnen und Aktionswochen in der GPA-djp befassten Kollegen. Zusätzliche Inputs kamen vom deutschen Journalisten und Arbeitsrechtler Andreas Skowronek, von Innovation Designer Christian Mayrhofer, von Marko Zlousic aus der Presseabteilung der SPÖ und Soheyl Liwani von der unibrennt-Bewegung.

Analysiert wurde etwa die jüngste Nestle-Greenpeace-Auseinandersetzung auf Youtube und Facebook, die in diesen Tagen sogar zu einem Einlenken des Lebensmittelmultis geführt hat.

Um das „Social Web für unser Wissensmanagement, Partizipation und Organisationsentwicklung“ ging es im dritten Workshop, der von den beiden Organisatoren betreut wurde.

Die TeilnehmerInnen erhielten Einblick in die inneren Organisationsstrukturen der unibrennt-Bewegung, vorgetragen vom Systementwickler und Aktivisten Roger Andel.
Dem folgte ein Input von Hans Christian Voigt. Ausgehend von einer Analyse der bisherigen Erfahrungen der GPA-djp rückten die Veränderungen im Wissensmanagement und der Identität einer Organisation in den Vordergrund, dort wo via Sozialer Medien mit Zielgruppen zusammengearbeitet wird.

Der Nachmittag des ersten Tages war durch Vorträge geprägt, die ganz dem Motto der Gesamtveranstaltung entsprechend, auszugsweise von zwei engagierten Kolleginnen aus der AK- Salzburg weiter getwittert wurden.
Voigt leitete sein Impulsreferat mit der Aufforderung an die Anwesenden ein, sich die Arbeit der bloggenden BetriebsrätInnen anzuschauen: „Das, was die KollegInnen hier machen, ist gesellschaftlicher Mehrwert für uns alle.“
In dem Vortrag versuchte er die Bruchlinien eines strukturellen Wandels zu zeichnen, an dessen Beginn wir stehen.

Sein Appell an die PionierInnen:
„Wir müssen die Potenziale für Gegenöffentlichkeiten nutzen, deswegen ist der langweiligste Betriebsratsblog im Internet besser als der Super-Auftritt im Intranet.“

Facebook ist meine Bar
Wie dialogisch moderne Kommunikation im Web 2.0 sei, daran erinnerte Andreas Skowronek.
„Mein Blog ist mein Haus. Facebook ist meine Bar. Und Twitter sind die Stimmen in meinem Kopf“, zitierte er Sascha Lobo und ergänzte: „Und das Wichtigste: RSS-Feeds ermöglichen den Austausch zwischen allen Kanälen.“

Überzeugend demonstrierte Skowronek, dass in Deutschland die ArbeitnehmerInnenvertretung im Gegensatz zur ArbeitgeberInnenseite noch Nachholbedarf im Web 2.0 hat.
Für nostalgische Gefühle sorgte die Journalistin und Zeichnerin Andrea Maria Dusl, die pointiert von „russisch telefonieren“, Viertelanschlüssen und ihren ersten Gehversuchen im www erzählte und dabei die Frage behandelte: Wie erreicht meine Nachricht den Empfänger?

Helmuth Bronnenmayer von der Agentur Datenwerk verriet in seinem Referat ein paar Details aus dem Bundespräsidentschaftswahlkampf von Heinz Fischer. Unter anderem, wie wichtig dabei auch Glaubwürdigkeit war – so twitterte der mittlerweile wiedergewählte HeiFi nicht selbst, statt ihm hielt uns ein beifi aus Fischers direkter Entourage am Laufenden.
Schließlich führten Thomas Kreiml und Werner Drizhal in einer Doppelconference durch Geschichte, Gegenwart und Zukunft der GPA-djp im www und den Sozialen Medien.

Wie die Zentralalpen
Der erste Tag endete mit einer interessant besetzten Podiumsdiskussion mit AK-Expertin Daniela Zimmer, Harald Katzmair, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter der Sozialwissenschaftlichen Forschungsgesellschaft FAS, Franz Georg Brantner, Betriebsrat und Facebook nutzender KV-Verhandler, ÖGB-Verlagsgeschäftsführer Gerhard Bröthaler und Karl Proyer, stv. Bundesgeschäftsführer der GPA-djp.

Dabei verrieten die TeilnehmerInnen auch ihren ganz persönlichen Zugang zum Web 2.0, ob es um das Nichtdurchlesen der Facebook-Nutzungsbedingungen geht, manchmal nerviges Getwitter bei Vorträgen in den USA oder schlicht und einfach die lange Leine, an die uns die neuen Kommunikationstechniken legen.

Letztendlich leben wir damit, müssen wir damit leben, war einhellige Meinung am Podium, oder wie es Harald Katzmair so pointiert formulierte: „Das Internet ist wie die Zentralalpen – das lässt sich nicht mehr wegdiskutieren.“
Und wie Daniela Zimmer ebenso treffend bei aller berechtigter Kritik an den Entwicklungen rund um Web 2.0 anmerkte: „Der Retroblick in die Vergangenheit sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Fernsehen mit zwei Kanälen nicht gerade eine partizipative Phase der Mediennutzung war. Das war ein Einwegkanal.“

Gut vernetzt
Drei gleichzeitig stattfindende Workshops schlossen die Veranstaltung am Freitagvormittag ab. So gestalteten Helmut Gotthartsleitner und Werner Drizhal gemeinsam den Workshop:
„Eine „social media“ Einführung in Facebook, Blogs, Youtube etc.“ mit einem Überblick über Web-2.0-Plattformen und Angebote und die Aktivitäten der Gewerkschaften im „Social Web“.
Martin Panholzer, der Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit in der GPA-djp und Helmuth Bronnenmayer moderierten „PR, Öffentlichkeitsarbeit, Homepage in Web-2.0-Zeiten“.

Um den wichtigen Themenbereich „Gläserne Belegschaft, ArbeitnehmerInnen und BR im Internet“ ging es im Workshop betreut von Thomas Kreiml und Hans Christian Voigt.
Ausgehend von den aufrüttelnden Erfahrungen der teilnehmenden BetriebsrätInnen sowie der ExpertInnen aus AK und Gewerkschaften entspann sich eine wertvolle Diskussion mit einigen Implikationen für zukünftige gewerkschaftliche Betätigungsfelder.
Um Vernetzung ging es auch am Rande der durchwegs gelungenen Veranstaltung – es boten sich Gelegenheiten neue Facebook-FreundInnen und Twitter-Follower zu finden, nützliche Werkzeuge, amüsante Spielereien und kluge Clips kennenzulernen.
Wer einen Blick in die nahe Zukunft des Web 2.0 werfen will, dem sei das Mashup seite2.gpa-djp.at ans Herz gelegt. Mashup bezeichnet die Erstellung neuer Medieninhalte durch die nahtlose Kombination bereits bestehender Inhalte.
Mashups sind ein wesentliches Beispiel für das Neue an Web 2.0. Dabei werden z. B. Inhalte des Webs, wie Text, Daten, Bilder, Töne oder Videos, collagenartig neu kombiniert. Dabei nutzen die Mashups die offenen Programmierschnittstellen (APIs), die andere Webanwendungen zur Verfügung stellen.

Arbeit&Wirtschaft 05/2010
Von Katharina Klee
15.05.2010

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