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Der vernetzte Mann

In AK Info, ÖGB Info, Info, Pressemitteilung on Montag, 07. November 2011 at 19:19

Freundschaft und Treue, männliches Denken und männliche Bünde sorgen auch heute noch dafür, dass Frauen im Berufsleben nicht weiterkommen.

Männliches Denken bestimmt die Arbeitswelt. Die aktuellen Daten des Österreichischen Arbeitsklima Index zeigen, dass die Zufriedenheit von weiblichen Beschäftigten zurückgegangen ist.

Besonders Frauen in Industrie, Gewerbe und Handel schätzen ihre Aufstiegs- und Entwicklungschancen pessimistisch ein. Sind die erhobenen Werte bei den Männern stabil geblieben, wirkt sich die Wirtschaftskrise vor allem auf die Perspektiven der Frauen aus.

Nach wie vor befinden sich deutlich mehr Männer in Führungspositionen:
68 Prozent der Führungskräfte sind männlich, bloß 32 Prozent weiblich.
Möge es bleiben, wie es ist und immer schon war.

Auf spartanischen Holzbänken wird auf der Bude bierselig von echten Männerfreundschaften und wahren deutschen Werten geschwärmt, wird das Bekenntnis zur deutschen Volks- und Kulturgemeinschaft ewig erneuert. Allen voran stehen die „Alten Herren“ ihren Mann, bilden zumeist auch die finanzielle Kraft hinter dem Studentenspuk.

Gezeichnet fürs Leben
Beliebt es den Alten, dürfen sie den Jüngeren dafür das Wort verbieten oder sie zum Haareschneiden auffordern. Es herrscht eine klare Hierarchie.

Freilich:
Migranten oder gar Wehrdienstverweigerer werden erst gar nicht in Burschenschaften aufgenommen. Der schönste Schnitt im Leben eines schlagenden Studenten ist der Schmiss im Gesicht. In der Mensur wird ein scharfer Degen geschwungen, der eine Narbe zeitigt, auf die Mann stolz sein darf.

Schmisse werden wie Trophäen getragen, eine deutliche Tätowierung fürs Leben, die mancherorts gar Türen öffnet. „Die Mensur bietet eine hohe charakterliche Schulung, stärkt den Zusammenhalt innerhalb unserer Gemeinschaft und setzt voraus, dass der Paukant gewillt ist, sich lebenslang für seine sowie die Ideale seiner Verbindung einzusetzen und einzutreten.

Es ist schwierig zu erklären, wie erhebend das Gefühl nach einer erfolgreich bestandenen Mensur ist, das muss man wohl selbst erlebt haben, um zu wissen, welche Bedeutung dies für einen Einzelnen und für das Corps haben kann“, glorifiziert der Corps Montania in Leoben das Kreuzen der Klingen auf seiner Internetseite.

Seilschaften ÖCV und MKV
Gemeinsam Erlebtes schweißt derart auch zu lebenslangen Seilschaften zusammen. Martin Graf, Dritter
Nationalratspräsident, hat in seiner kurzen Zeit als Geschäftsführer des Austrian Research Centers in Seibersdorf gleich drei Spitzenpositionen mit Mitgliedern seiner Burschenschaft Olympia besetzt.
Freilich ist es selten, dass Männerseilschaften so unverblümt zum Tragen kommen wie im Umfeld von Martin Graf.

Noch mehr Einfluss als die Burschenschaften hat der Österreichische Cartellverband (ÖCV) und Mittelschulkartellverband (MKV) im öffentlichen Leben.

Einst fanden sich viele Mitglieder des CV in der Verwaltung und politischen Ämtern des Ständestaats, auch Kanzler Engelbert Dollfuß war ein CVler. Bei der ÖVP spielt der Cartellverband eine Hauptrolle.
Vier Bundeskanzler – Leopold Figl, Julius Raab, Alfons Gorbach und Josef Klaus – waren Mitglieder.

Die aktuelle Regierung reiht sich nahtlos ein:
Vizekanzler Michael Spindelegger und Staatssekretär Wolfgang Waldner sind „Alte Herren“ in der Norica, Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner ist „Django“ bei der Austro-Danubia Linz und Nikolaus Berlakovich „Bärli“ bei der Austro-Peisonia.

Frauen nicht erwünscht
Die zentralen Punkte der Vereinigungen:
Gestaltung des eigenen Lebens aus dem katholischen Glauben, aktive Mitgestaltung auf allen Ebenen des Gemeinwesens, Pflege der Wissenschaft und die persönliche Freundschaft.
Wie der MKV ist der CV rein männlich orientiert. Doch anders als bei den deutschnationalen Burschenschaften wurde die Aufnahme von Frauen zumindest diskutiert.

Allerdings:
Jene Verbindungen des MKV, die sich vor einigen Jahren entschlossen haben, Frauen aufzunehmen, schieden aus dem Verband aus.
Mittlerweile wurden Freundschaftsabkommen geschlossen. Allein die klare Ablehnung der Fristenlösung, die beide Verbände vertreten, lässt auf ein konservatives Rollenbild schließen.
Im Frühjahr 2004 veröffentlichte der CV eine Stellungnahme zur Verfassungsreform, demzufolge die Straflosigkeit von Abtreibungen ohne medizinische Indikation in Österreich ausgesetzt werden sollte.

Freilich, es wird im Arbeitsleben selten jemand direkt so argumentieren wie auf den Buden der Männerverbindungen. Und auch in Kreisen, die nicht konservativ sind, wird Frauen oft wenig zugetraut. Der Heidelberger Soziologe Carsten Wippermann hat 2009 untersucht, wie Frauen beim Aufstieg in Top-Positionen diskriminiert werden.

Drei Managertypen
Er stieß dabei auf drei Managertypen.
Erstens, der sehr konservative Manager, der die „kulturelle und funktionale Ablehnung der Frauen qua Geschlecht ausmacht“.
Dagegen der zweite Typ, der zwar eine emanzipierte Grundhaltung hat, aber davon ausgeht, dass Frauen chancenlos gegen die Machtrituale seien. Härte steht im Widerspruch zu seinem Frauenbild. Tritt dann einmal eine Frau, entsprechend hart auf, dann wirkt sie in seinen Augen nicht mehr authentisch.
Der dritte Typ sagt, dass das Geschlecht eigentlich keine Rolle dabei spielt, wenn es um die Besetzung einer Führungsposition geht. Aber es gebe nicht genügend Frauen, die authentisch und flexibel genug dafür seien.

Trotz all des Wandels scheint die Welt in vielen Teilen festgefahren, Traditionen und Handlungsweisen werden von beiden Geschlechtern oft auch unbewusst übernommen.

Im Arbeitsleben existiert weiterhin ein „typisch“ männliches Gehabe. „Das heißt, selbstbewusst, stimmlich und körperlich raumgreifend auftreten. Wenig Reflexionsvermögen und Bereitschaft zur Reflexion – zumindest im öffentlichen Raum – zeigen“, beschreibt Universitätsprofessorin Birgit Sauer den Mann in der Arbeitswelt.

Da bleibt wenig Raum für Frauen. Höchst selten können sie auf eine Seilschaft vertrauen, treten Frauen aber raumgreifend auf, wird es ihnen als Dominanzstreben zur Last gelegt.

„Auch das private Umfeld hemmt Frauen“, weiß Barbara Marx, Frauensekretärin bei der GPA-djp, zu berichten:
„Vom Kopf her gibt es bei vielen Paaren ein modernes Bild. Aber wenn Kinder auf die Welt kommen, greifen wieder die alten Frauenbilder. Frauen müssen dann mehr Zeit mit der Familie verbringen, müssen den Großteil der Hausarbeit machen und haben schlicht und einfach keine Zeit, sich um ihr Netzwerk zu kümmern.“

Häufig begraben auch Babypausen und Teilzeit nach dem Wiedereinstieg die Chancen auf eine Karriere.
„Von einer Teilzeitstelle aus ist es nicht möglich, Führungskraft zu werden. Lange Karenzzeiten machen einen beruflichen Aufstieg meist ohnehin unmöglich. Nach dem Wiedereinstieg landen Mütter gerne auf sogenannten Bore-out-Jobs, darben bei Routinearbeiten, quälen sich in Stellen, für die sie überqualifiziert sind!“

Arbeit&Wirtschaft 09/2011
Von Christian Resei
15.09.2011

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