Blog

Metro-Vorstand vor dem Abgang

In BR-Info, Info, METRO Geschichte, Pressemitteilung on Mittwoch, 28. Juli 2010 at 22:11

Thomas Unger (49) wird den Handelskonzern verlassen.

Die einen sagen, seine Mission sei erfüllt, die anderen glauben, er fühle sich degradiert. Und Teile des Aufsichtsrats murren angeblich über den Gesamt-Vorstand.

Bei Deutschlands größtem Handelskonzern bahnt sich offenbar ein Wechsel im Top-Management an:
Vorstandsmitglied Thomas Unger steht vor dem Abgang bei der Metro, wie gestern aus dem Umfeld des Unternehmens bestätigt wurde.
Der Konzern selbst wollte dazu noch keine Stellungnahme abgeben. Die Metro äußere sich grundsätzlich nicht zu Personalspekulationen, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Es sei noch keine Entscheidung gefallen.

Aus Handelskreisen war gestern zu hören, es habe schon beim Amtsantritt von Cordes eine Vereinbarung gegeben, dass Unger den Posten des Finanzchefs irgendwann aufgeben und operative Aufgaben im Konzern übernehmen solle.
Diese betrafen dann das Umbauprogramm „Shape 2012“, die Immobiliensparte, die Elektroniksparte MediaMarkt/Saturn und das Warenhaus-Geschäft von Galeria Kaufhof .
Diese Mission sei erfüllt, heißt es. Er habe den Aufsichtsrat um die Auflösung seines bis Ende 2012 laufenden Vertrages gebeten. Ende nächster Woche soll offiziell darüber entschieden werden.

Mehrere Lesarten
Das ist die eine Lesart zum bevorstehenden Personalwechsel. Die Wortwahl „Entscheidung noch nicht gefallen“ interpretieren intime Kenner des Konzerns andererseits so, dass Ungers Abgang nicht ganz freiwillig erfolge.
Tatsächlich soll es aus dem Aufsichtsrat nach Informationen unserer Zeitung mehrere Unmutsbekundungen über den Gesamtvorstand gegeben haben.

Diese beträfen auch den Fortschritt von „Shape 2012“, mit dessen Hilfe die Metro das Ergebnis um 1,5 Milliarden Euro verbessern will. Der offiziell Zuständige für die Umsetzung des Programms heißt Thomas Unger.
Außerdem, so heißt es, hätten Teile der Eigentümerfamilien Haniel und Schmidt-Ruthenbeck Ungers Berufung zum stellvertretenden Vorstandschef 2009 nur mit Widerwillen akzeptiert, weil sie ihn mitverantwortlich für Missstände gemacht hätten, die es aus ihrer Sicht in der Ära des Konzernchefs Hans-Joachim Körber gegeben habe.

Die dritte Lesart: Unger geht von selbst, weil er von den Grabenkämpfen im Unternehmen genug hat. Eine Perspektive für ihn gibt es nicht mehr.
Seit Monaten wird über seinen Abgang spekuliert – und darüber, dass die Metro ihm mit der vordergründigen Aufwertung zum Vize-Chef eine Zuständigkeit für Bereiche zugeschanzt habe, die nicht zukunftsträchtig waren – als Coach von Galeria Kaufhof eben, das ohnehin auf der Verkaufsliste steht, und von MediaMarkt/Saturn, wo Vorstandschef Roland Weise nach Angaben von Insidern „sowieso macht, was er will“.

Auf deutsch: Dort drohen ständig Auseinandersetzungen. „Shape 2012“ war zudem häufig von Spitzenmann Cordes zur Chefsache erklärt worden.
Der hatte sich zudem mit Olaf Koch einen alten Vertrauten aus gemeinsamen Zeiten bei Daimler als Finanzchef geholt – genau für jene Aufgabe also, die bis dahin Unger ausgefüllt hatte. Mittlerweile soll Koch auch beim Umbau kräftig mitmischen – was Ungers Bedeutung im Konzern noch weiter schmälerte.

Ende einer Ära. Was der Manager künftig machen wird, der in den vergangenen Jahren auch schon mal als Chef der Metro-Mutter Haniel und als Finanzvorstand der Telekom (als Karl Gerhard Eick zu Arcandor abwanderte) gehandelt worden war, ist noch offen.

Quelle: Rheinische Post
Von Georg Winters
24.07.2010

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: