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Lachen Sie den Ärger weg

In AK Info, BR-Info, Info on Montag, 08. Februar 2010 at 6:00

Lachen ist gesund. Trotzdem bringt es ein Erwachsener gerade einmal auf 15 Lacher pro Tag. Ein Ausflug in die Untiefen unseres Zwerchfells.

Wer lacht, zeigt Gefühle, ob Wut, Lust, Hohn oder Lebensfreude.
Wer lacht, aktiviert über hundert Muskeln und leistet damit Schwerarbeit, stärkt sein Immunsystem und setzt Endorphine frei.
Lachen gilt auch bei Schwerkranken als heilungsfördernd.

Therapie mit Clown
Die CliniClowns gehören zu den bekanntesten Lachtherapeuthen Wiens, sie besuchen Krankenhäuser und Pensionistenheime.
Robert Blöchl und Erwin Traxler etwa kommen jeden zweiten Montag ins Geriatrie-Zentrum in Klosterneuburg. 15 pflegebedürftige Bewohner sitzen im Gemeinschaftsraum, anfangs ist die Stimmung gespannt.
Robert Blöchl ist jetzt Dr. Sommersprossi. Er zupft die vier Saiten einer Ukulele, singt „Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus“ und schon reagiert das Publikum:
„Jetzt haben sie es aber endlich richtig gespielt“, kommentiert eine Bewohnerin etwas streng. Sie hat selbst einen Doktortitel, ist Jahrgang 1920, und spricht vier Fremdsprachen.

Erwin Traxler kommt als Dr. Wuuzel mit Hut und roter Nase: Er türmt Becher aufeinander, animiert die Gruppe zum Mitspielen.
Einige haben Altersdemenz, das Kurzzeitgedächtnis will nicht mehr. „Doch uns erkennen sie manchmal sogar wieder“, erzählt Dr. Wuuzel, ein kleines Wunder bei schwerer Demenz.
Eineinhalb Stunden durchbrechen die beiden den Alltag im Pflegeheim. „Es ist harte Arbeit kranke Menschen zum Lachen zu bringen”, sagt
Dr. Sommersprossi am Ende und sein Lächeln wirkt dabei entspannt aber müde.

Schmerzen weglachen
Ellen Müller leitet seit 8 Jahren Lach-Yoga-Seminare in Wien. „Das Lachen kann über drei Ebenen aktiviert werden. Über einen Witz, Freude oder schlicht über die Motorik“, erklärt sie.
Einmal im Monat trainieren etwa 15 Erwachsene bei ihr „das Lachen ohne Grund“. Anders als beim gängigen Yoga ist es hier laut, es wird gesungen, getanzt und natürlich gelacht.
Die Teilnehmer verneigen sich vor dem jeweiligen Gegenüber und lachen statt zu grüßen. Es wird viel Pantomime geübt, etwa beim bayerischen Lachen mit angedeuteten Schuhplattler-Klapsen.
Viele Lachyoga-Schüler wollen lockerer werden oder chronische Schmerzen
lindern. Lachyoga macht zumindest fit.

Beim Lachen bläst Atem mit gut 100 km/h aus dem Mund. Gelotologen – so heißen die Wissenschafter, die das Lachen untersuchen, stellten fest, dass der typische Lacher zwei Sekunden und sieben schnelle Ha-Ha-Has dauert. Männer lachen mit 280 Schwingungen pro Sekunde, Frauen sogar mit 500. Wer 90 Minuten lacht, hat sich körperlich wie beim Aerobic verausgabt.

Beneidenswerte Kinder: Sie lachen noch bis zu 400 Mal am Tag. Erwachsene
schaffen es im Schnitt bloß traurige 15 Mal.

Hofnarren und Chefs
Lachen kann aber auch die Geringschätzung anderer ausdrücken. Und es kann die Herrschaftsverhältnisse umdrehen:
Selbst die Obersten sind nicht davor gefeit, die Witzfigur zu sein. Das allerdings geht nicht mit dem Holzhammer, weiß der Kabarettist Leo Lukas aus 30-jähriger Bühnenerfahrung.
„In einer Nummer zum Klassenkampf aufzurufen, wäre doch zu plump. Die Kunst besteht darin, es gut zu verpacken.“
Tritt Lukas auf einer Firmengala auf, muss zumindest er kein Blatt vor den Mund nehmen: „Da habe ich eine Sonderposition wie ein Hofnarr, darf frech sein und halte mich auch nicht an den Dresscode. Beschwerden gab es selten.“

Das alles kann ein Lachen sein…
Immer nur fröhlich? Von wegen.
Verhaltensforscher unterscheiden 18 verschiedene Arten von Lachen. Aber nur eine einzige Variante ist der Ausdruck spontanen, unmittelbaren Vergnügens. Menschen lachen nicht nur, wenn sie fröhlich sind, sondern auch, wenn sie Angst haben, wenn sie nervös sind. Selbst die Trauer hat ihr eigenes bitteres Lächeln.
Es kommt darauf an, worüber gelacht wird. Wenn jemand ausgelacht wird, kann Lachen zur Waffe werden und äußerste Aggression ausdrücken.
Liebe und Erotik sind ohne Lächeln kaum vorstellbar. Gekicher im Bett kann Ausdruck sexueller Erregung sein.

Vieles beim Lachen ist Mimik.
Oft täuscht ein Lachen Fröhlichkeit nur vor. Das unmittelbare Lächeln beginnt immer symmetrisch. Dabei ziehen sich beide Mundwinkel gleichzeitig nach oben. Das Lächeln ist mit Krähenfüßchen um die Augen gekoppelt. Andere Varianten des Lächelns beginnen immer leicht asymmetrisch.

Nützliche Links:
www.lachyoga.at, www.cliniclowns.at, www.humor.ch, www.michael-titze.de

Von Christian Resei
AK Für Sie 2/2010

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