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RFID – Vom Pilot in den Alltag

In Info, METRO Geschichte, Pressemitteilung on Donnerstag, 06. August 2009 at 20:34

Während der Hype um RFID in manchen Handelsunternehmen abflaut, ist die Einführung in die Prozesse bei der Metro AG schon weit gediehen.

Nicht mehr ECR, also Efficient Consumer Response, heißt der Ansatz zur Effizienzsteigerung bei der Metro AG seit dem 1. Juli, sondern schlichter Advanced Retailing.

Die Begeisterung für Innovatives in der Logistik bleibt offenbar wie gehabt. Während die Rewe Group ihre Projekte zur RFID-Technologie (Radiofrequenz-Identifikation) vor Kurzem erst einmal eingefroren hat, bereitet Metro nun ein Rollout nach dem anderen vor.

„Viele halten das Thema RFID schon für verbrannt“, griff Dieter Licht Mitte Juni auf dem Linzer Logistik-Tag ein aktuelles Stimmungsbild auf. „Wir sind jedoch der Meinung, RFID lohnt sich für den Handel. Das ist eine Revolution, und RFID betrifft jeden.“
Heute gebe es bereits viele Anwendungen im Alltag, wie etwa die Tags auf Eintrittskarten für Fußballspiele. Und viele neue Vorschriften, wie etwa die EU-Verordnung zur Rückverfolgbarkeit, zeigten schon, „dass wir neue Technologien brauchen, um diese Anforderungen auch erfüllen zu können“.

Licht ist als Head of ECR – jetzt Advanced Retailing – bei der Metro AG dafür zuständig, die Prozesse in 33 Ländern auf einen Standard zu bringen und zu optimieren.
Der Konzern begann bereits im Jahr 2004 als eines der ersten Handelsunternehmen weltweit mit der schrittweisen Einführung von RFID in der Logistik und im Lagermanagement.
Beteiligt an dieser Initiative sind die Vertriebsmarken Metro Cash & Carry, Real, Galeria Kaufhof sowie der Logistikdienstleister des Konzerns, die MGL Metro Group Logistics.
Zu den wichtigsten Zielen der RFID-Initiative zählt, die logistischen Abläufe sowie die Verfügbarkeit der Waren zu verbessern.

Licht will die Abläufe in den Centern beschleunigen und „vom Wareneingang über das Bestandsmanagement, die Verräumung bis zum Regalmanagement stets aktuell die Bestände zur Verfügung haben“.

Im Schnitt sechs Prozent ­Bestandslücken
Vorteile, die der Prozessoptimierer Licht aus dem Transponder-Einsatz in der Praxis ziehen will, sind beispielsweise die Chaosverräumung und das Messen von Bestandslücken.
Mit den sogenannten Out-of-stock-Raten im Backstore habe der Handel ein Problem. „In Europa rechnen wir mit einer Out-of-stock-Rate von ungefähr sechs Prozent, die Ware ist also erstmal nicht verfügbar“, so der Experte.
„Früher hieß es, die Industrie ist Schuld. Nach einer Analyse wissen wir, 75 Prozent der vermissten Ware ist zwar im Lager, nur nicht auffindbar.“

Mithilfe von RFID ließe sich jederzeit sagen, welcher Artikel im Backstore oder am Point of Sale sei. Als Zusatznutzen sieht er die Diebstahlskontrolle. „Wenn wir nur von einem Prozent ausgehen, unterhalten wir uns da über mehr als 700 Mio. Euro in unserer Gruppe. Vieles geht in der Logistik ,verloren’.“
Doch die Metro AG will weit mehr als nur Bestandsmanagement und -sicherung erreichen.
„Unsere Vision ist es, von der Produktion bis zum Endverbraucher den gesamten Prozess mit RFID zu begleiten. Das braucht sicherlich noch zehn, zwölf Jahre“, räumt Licht ein. „RFID führt man nicht einfach ein. RFID ist ein langer Weg. Denn RFID muss bereits in den Prozess des jeweiligen Herstellers eingebunden sein.“

Ein großes Stück des Weges ist die Metro schon gegangen. In Linz hat Dieter Licht ein Zwischenfazit gezogen: 2004 hat die Metro beispielsweise ein Innova­tion Center eröffnet, in dem getestet wird.
Im European Competence Center schult die Handelskette die Industrie „pro bono“. 2006 hat die Metro Group ihre RFID-Prozesse auf den internationalen Standard EPCglobal Class 1/Gen. 2 umgestellt. Der Elektronische Produktcode (EPC) ermöglicht eine eindeutige Kennung von Artikeln oder Transportbehältern.

34 Prozent der Paletten „funken“
Während der Hype um RFID in manchen Handelsunternehmen abflaut, ist die Einführung in die Prozesse bei der Metro AG schon weit gediehen.

„Auf Palettenebene sind wir im flächendeckenden Rollout“, berichtet Licht. Rund 300 Top-Lieferanten der insgesamt 8.000 Hersteller versehen ihre für Metro bestimmten Paletten bereits mit RFID-Transpondern, die ersten auch schon die Kartons. Insgesamt „funken“ heute bereits 34 Prozent des gesamten Warenvolumens eines Cash & Carry-Marktes auf der Palette via Radiofrequenz.

Sämtliche 150 Metro Cash & Carry-Märkte in Deutschland sind inzwischen am Wareneingang entsprechend ausgerüstet, die meisten der 350 Real-Warenhäuser in Deutschland und alle neun Distributionszentren der Metro Group Logistics sind ebenfalls mit RFID-Portalen bestückt.
„Wir sprechen also nicht mehr über Projekte, für uns ist das schon ein umgesetzter Prozess, der allerdings noch eine Zeit dauert, bis auch der Bauer als Kartoffellieferant integriert ist“, erklärt Licht.

In Frankreich betreibt die Metro gerade „in einer Hauruck-Aktion“ die Umstellung der Märkte gemeinsam mit DHL. Dort werden mittlerweile 1,3 Mio. Paletten im Tagesgeschäft mit RFID geliefert.
Licht: „Mit dieser Erfahrung sind wir vorbereitet und können RFID auch in den restlichen 33 Länder einführen.“ Das nächste Thema für Licht ist RFID auf den Umkartons, wo die Pilotphase jetzt verlassen wird.

„Da fängt das Thema dann an, sich zu lohnen. Wir verändern dadurch natürlich auch unsere Prozesse, müssen beispielsweise unsere Lieferanten nicht mehr so intensiv prüfen.“ Sechs Prozent aller Waren werden heute schon direkt von der Industrie bei Real angeliefert, zehn Prozent bei den Cash & Carry-Märkten.

Pilotprojekte laufen störungsfrei
In Pilotprojekten testet die Metro Group zudem den Einsatz von RFID-Innovationen im Verkaufsraum und damit auch auf Einzelartikeln. Bei Galeria Kaufhof in Essen erhielten 30.000 Artikel in der Abteilung Herrenoberbekleidung ein RFID-Etikett.
Der Service bietet Kunden viele zusätzliche Produktinformationen wie etwa Pflegehinweise, Materialinfo, weitere Größen, Farben und Preis, aber auch Tipps zu Kombinationen und welcher Schlips zum Hemd passt.

Gleichzeitig haben die Mitarbeiter alle Bestände im Verkaufsraum und Lager im Blick und können rechtzeitig nachbestellen.
In dem neuen Future Store in Tönisvorst ist die Technologie ebenfalls im Einsatz. „Dort testen wir, wie sich die Prozesse in der Praxis gestalten. Und wir untersuchen, welche Abläufe verändert werden müssen, wenn wir RFID flächendeckend in unseren Märkten einführen wollen, und zwar nicht nur im Wareneingang, sondern bis zum Endverbraucher“, erläutert der ECR-Chef.

„Aber es gibt noch Probleme“, so Licht. „In puncto Leseraten sind wir in der Logistik zwar schon bei über 99 Prozent, aber bei Einzelartikeln erreichen wir erst 90 Prozent. Das reicht noch lange nicht.“

Dafür lässt sich eine Palette mit über 1.000 Artikeln im Wareneingang heute theoretisch zu 100 Prozent und das in weniger als drei Sekunden lesen, wenn sie durch ein RFID-Lesegerät, ein sogenanntes Gate fährt.
Ein weiteres Projekt läuft im MGL-Distributionszentrum in Hamm. „Dort arbeiten wir vom Gabelstapler bis hin zur Inventur mit RFID. „Dies ist eines der Projekte, bei denen wir schon in den Prozessen sind. Das können wir sehr schnell auf weitere unserer Lager ausdehnen. Und so machen wir es jetzt auch.“

Er wisse heute schon, was sich durch Inventur auch in den Märkten einsparen ließe: Ein SB-Warenhaus mit 60.000 Artikeln und sieben bis acht Mio. Einzelstücken kann seiner Kalkulation nach mit RFID binnen einer Stunde eine komplette Inventur fahren.
„Heute brauchen wir noch 100 Studenten, die dafür 24 Stunden arbeiten.“
Welche Einsparpotenziale sich noch ergeben, wenn Industrie und Handel auf RFID umstellen, „können wir heute schon sehr gut messen“.
Dieter Licht hat hochgerechnet, dass sich die Kosten um rund 8,5 Mio. Euro jährlich in Deutschland reduzieren ließen, wenn lediglich alle Paletten mit RFID-Transpondern ausgestattet wären.
„Nur durch die Einführung dieses einfachen Prozesses auf Palette. Die Summe lässt sich vervier- oder sogar versechsfachen, wenn auch die Kartons und Artikel mit Tags bestückt sind.“

logistik-heute.de
pf
06.08.2009

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