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Digitaler Nachrichtenticker statt „Schwarzes Brett“

In Blog Empfehlung, Blogosphäre, BR-Info, LinkEmpfehlung on Montag, 06. Juli 2009 at 11:30

Betriebsrat und Kommunikation
Anwendung der RSS-Technik als Kommunikationsmittel
Umstieg vom Newsletter auf RSS
Internetseiten mit fremden RSS-Nachrichten anreichern

Kommunikation ist das A und O für Personal- und Betriebsräte. – Eine Anleitung.

Regelmäßig stattfindende Gespräche und Schriftwechsel mit der Geschäftsleitung oder mit der von ihnen beauftragten Leitenden Angestellten einerseits.
Auf der anderen Seite ein reger Austausch von Informationen sowohl innerhalb des Gremiums als auch – insbesondere in Zeiten wie diesen – mit der Belegschaft.

Letztere erfuhr bis in die 1990er Jahre hinein zumeist via Schwarzes Brett von den Nachrichten des BR oder PR. Später folgten Flugblätter und Zeitungen und schließlich der E-Mail-Newsletter, mit dessen Hilfe BR und PR die Belegschaft auf dem Laufenden hielt. Doch ein E-Mail-Newsletter funktioniert nur mit einem ordentlichen E-Mail-Verteiler.
Wie aktuell in der „Arbeitsrecht im Betrieb“ dargelegt, liegt genau hier das Problem: Was tun, wenn der Arbeitgeber sich weigert, dem BR oder PR einen E-Mail-Verteiler zu überlassen? (Vgl. AiB 05/2009)

Die Antwort lautet: Neben E-Mails und Newsletter gibt es nämlich noch ein Drittes namens Really Simple Syndication – kurz: RSS.
Dieses auch in einem unternehmenseigenen Intranet einsetzbare Internet – Nachrichtenformat sorgt dafür, dass sämtliche auf der Homepage des Betriebs- Personalrats erfolgten Änderungen und Neuerungen in einen Nachrichtenticker fließen.
Dieser Nachrichtenticker aber wird – anders als eine E-Mail oder ein E-Mail-Newsletter – nicht an die Belegschaft versandt, sondern verrichtet seine Dienste nahezu unsichtbar und automatisch im Hintergrund.
Immer dann, wenn eine Homepage eine RSS-Versorgung enthält, hat der Betreiber dieser Homepage nichts weiter mehr zu tun, als darauf zu warten, dass die via RSS-Service angeboten und RSS-Feeds genannten Nachrichten von den Internet-Surfern abgerufen werden.

RSS-Feed bei Google
Wer bei Google-News etwa nach neuesten Nachrichten zum Thema „Metro“ sucht, ruft zunächst die Webseite news.google.at auf, gibt anschließend im Suchfeld den Begriff „Metro“ ein und sendet dann seine Suchanfrage ab. Nachfolgend gibt es die aktuellen Nachrichten zum angefragten Suchbegriff.
Wegen der aktuellen wirtschaftlichen Lage liegt es nache, dass sehr häufig neue Nachrichten zu „Metro“ erscheinen.
Mit anderen Worten: Wer auf dem Laufenden sein und nichts verpassen möchte, muss mehrmals am Tag Google-News nach „Metro“ befragen.

Ein solch zeitraubendes Vorgehen lässt sich mit dem Einsatz von RSS-Feeds verlässlich vermeiden. Denn selbstverständlich hat der weltweit größte Informations-Sammler namens Google zu allem und jedem ein RSS-Feed im Angebot. Um über neu eingehende Nachrichten zu „Metro“ informiert zu werden, ist also nichts weiter zu tun, als das betreffende RSS-Feed zu abonnieren. Denn alle zu „Metro“ bei Google-News eingehenden Nachrichten haben die feste Adresse.
Diese Adresse lässt sich mit einem Browser wie MS-Internet-Explorer 8, Mozilla Firefox oder Apple-Safari entweder aufrufen, als Lesezeichen ablegen oder – und das erst macht die Nutzung von RSS-Feeds richtig effektiv „abonnieren“.

Der Webbrowser Firefox etwa bietet beim Aufruf der oben genannten URL an, den RSS-Feed zu „Metro“-News zu abonnieren und nennt zugleich drei Anbieter, über die ein solches RSS-Abonnement erfolgen kann.
Genannt werden Yahoo, Bloglines und Google-Reader selbst.
Alle drei RSS-Reader sind Webanwendungen, sodass eine Software-Installation überhaupt nicht notwendig ist. Lediglich eine Registrierung bei einem der genannten Anbieter ist nötig, um mit den von ihnen angebotenen webbasierten „Nachrichten-Leseprogrammen“ die abonnierten RSS-Feeds verwalten zu können.

Verwalten von RSS-Feeds
Beim Ausprobieren des einen oder anderen internet-basierten RSS-Readers wird schnell deutlich, dass sich RSS-Nachrichten ebenso gut verwalten lassen wie E-Mails etwa in MS-Outlook oder einem anderen Mail-Programm.
So kann die Ansicht von Liste auf Detail umgeschaltet werden. Nachrichten lassen sich in Ordnern zu Themengebieten zusammenfassen.
Wer RSS-Nachrichten mit dem Browser Safari aufruft, kann entscheiden, ob er nur die aktuellen Nachrichten, die der letzten sieben Tage oder noch weiter zurückliegende News zu „Metro“ angezeigt haben möchte.

RSS als „die“ Alternative zum Newsletter
In der oben erwähnten Entscheidung des LAG München geht es um das Begehren eines Gesamtbetriebsrats auf einen E-Mail-Verteiler, der es ihm erlauben sollte, sowohl die Außendienstler als auch die Unternehmensmitarbeiter in betriebsratslosen Betrieben erreicht zu bekommen.
Die Besonderheit – und damit berühren wir einen Hauptanwendungsfall von RSS-Feeds: Der Gesamtbetriebsrat betreibt eine eigene Homepage im unternehmenseigenen Intranet.

Angenommen, der vor dem LAG München mit seinem Begehren gescheiterte Gesamtbetriebsrat würde seine Homepage selber mit RSS-Feeds versehen, hätte er sich die rechtliche Auseinandersetzung um den „E-Mail-Verteiler“ ersparen können.
Denn all das, was der GBR bzw. Betriebsrat über einen Newsletter der Belegschaft mitteilt, lässt sich auch über eine Homepage des Betriebsrats kommunzieren.

Moderne Content-Management-Systeme aus dem OpenSource-Bereich (Typo03, Drupal) oder ebenfalls kostenfrei erhältliche Blogprogramme wie WordPress oder MoveableType erstellen von jedem neuen Eintrag ohne besonderes Zutun einen RSS-News-Feed.

Betreibt ein Personal-/Betriebsrat eine Homepage, ohne eines der oben genannten Programme zu nutzen, ist das noch lange kein Gund zum Verzweifeln. Denn in diesem Fall soll Feedity.com helfen können. Mehr zu Feedity.com im Netzwerk.

Dies ist aber lediglich eine Art „digitale Gehhilfe“. Besser ist es, wenn der PR bzw. BR sich gleich eines zeitgemäßen Programms zur Verwaltung seiner Homepage bedient.

Dafür wird die Erstellung eines Newsletters entbehrlich.
Ist nämlich der Newsletter ein sogenanntes „Push-Medium“, verhält es sich mit dem RSS-Feed so, dass es ein „Pull-Medium“ ist. Das führt in der Praxis dazu, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darüber entscheiden, ob sie die als RSS-Feed verbreiteten Informationen des BR bzw. PR abonnieren.
Das geschieht, wie oben dargestellt und illustriert, entweder über den Browser oder mittels eines webbasierten RSS-Readers wie „Google-Reader“.

Ein weiterer Vorteil für ein die Belegschaft informierendes Gremium ist die mit RSS-Feeds einhergehende Unabhängigkeit von den Erscheiungsintervallen eines Newsletters.
Während nämlich ein Newsletter in bestimmten Abständen erscheint, verhält es sich beim News-Feed völlig anders: Jede Neuerung auf der Homepage des BR oder PR erzeugt einen RSS-Feed, der vom RSS-Reader in Windeseile bemerkt und den RSS-Abonnenten angezeigt wird. „Windeseile“ bedeutet hier: innerhalb von Sekunden.

RSS-Feed als E-Mail
Gleichwohl lassen sich auch RSS-Feeds per E-Mail abonnieren. Anders als beim E-Mail-Newsletter hängt diese Möglichkeit gerade nicht davon ab, dass der PR bzw. BR als Homepagebetreiber die E-Mail-Adresse derer kennt, die die Informationen erhalten sollen. Vielmehr ist es so, dass auf der Website ein Textfeld zum Abonnement der RSS-Feeds einlädt.

Ermöglicht wird dies durch einen Dienstleister namens Feedburner, der – man mag es bewerten wie man möchte – längst von Google aufgekauft worden ist.

Feedburner bereichert Homepage des Betriebsrats
RSS-Feeds eignen sich aber nicht nur als Alternative zum E-Mail-Newsletter, sondern bieten auch hinreichend Gelegenheit zur Aufwertung der Homepage des BR bzw. PR.
Denn sowohl Behörden als auch Gerichte betreiben inzwischen Webseiten mit RSS-Feeds. Diesen Umstand macht sich Feedburner zunutze, wenn es einem Homepagebetreiber die Möglichkeit eröffnet, seine Homepage mit RSS-Feeds anderer Seiten anzureichern.
Konkret ist es also kein Problem, News-Feeds des Bundesarbeitsgerichts, des Bundesarbeitsministeriums oder anderer für relevant befundener Internetseiten auf der eigenen Intranet-Homepage einzubinden.
Und selbstverständlich haben diese RSS-Feeds ihrerseits eine feste Internetadresse mit deren Hilfe sie sich wiederum selbstständig abonnieren lassen.

„Really simple Syndication“
Dieser Umstand lässt erkennen, dass das zu „RSS“ abgekürzte „Really simple Syndication“ durchaus seine Berechtigung hat.
Denn unter Syndizieren von Nachrichten ist deren nahezu problemfreier Austausch mit anderen Plattforrmen zu verstehen. Hat eine Homepage RSS-Feeds im Angebot, ist es ein Leichtes, diese News-Feeds in die eigene Homepage integriert zu bekommen. Es ist sogar vorstellbar, dass eine Homepage via RSS-Feeds vollständig mit fremden Inhalten gespeist wird.
Dies zu tun, verhindert auch nicht eine im Intranet von der Außenwelt abgeschottete Homepage des BR bzw. PR.
Der Betriebs- / Personalrat kann also völlig frei aus einem schier unerschöpfliche Informations-Pool schöpfen.
Einen Überblick über das, was möglich ist, geben die Webseiten gegen|öffentlichkeit2.o und metrobetriebsrat.

RSS und mobile Arbeitswelt
Einer Erwähnung wert ist der Umstand, dass RSS-Feeds mit nahezu sämtlichen Geräten der modernen Kommunikationswelt zu lesen sind. Das ist ein äußerst wichtiger Gesichtspunkt, sobald Angehörige der Belegschaft bei „fremden“ Unternehmen im Einsatz sind.

In dem eingangs erwähnten Verfahren vor dem LAG München ging es auch darum, dass der GBR vor dem Problem stand, dass zig Mitarbeiter während ihres Arbeitseinsatzes in externen Unternehmen keinen Zugriff auf die Homepage des Gesamtbetriebsrats hatten, weil hierzu eine Freischaltung durch den jeweiligen „Gast“-Arbeitgeber erforderlich gewesen wäre; die aber nicht erfolgt ist.

Ein solches Problem lässt sich durch die Verwendung von RSS-Feeds mit Leichtigkeit vermeiden. Denn RSS-Feeds lassen sich spielend einfach übers Handy oder einen PDA abrufen. Auf den „Good-Will“ eines Dritten kommt es dann nicht mehr an.

Fazit
Sowohl aus rechtlichen Erwägungen als auch aus Gründen der Praktikabilität sollten BR / PR so schnell wie möglich auf RSS umsteigen.
Der Newsletter wird dadurch keineswegs hinfällig. Er kann weiterhin genutzt werden, sofern ein E-Mail-Verteiler vorhanden ist.
Ist dieser Verteiler aber nicht vorhanden, bleibt die Kommunikation von BR und PR hiervon völlig unbeeindruckt.
Die technischen Voraussetzungen für einen zeitgemäßen Intranet-Auftritt lassen sich unter Zuhilfenahme externen Sachverstands schnell und unkompliziert lösen.
Kurzum: Newsletter war gestern. Heute ist RSS das Instrument der Stunde.

Originaltext in
Computer und Arbeit 5/2009
Von Andreas Skowronek

Andreas Skowronek ist freier Journalist und im Web zu finden unter: http://twitter.com/askowronek

Die Verwendung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Autor und Verlag,
herzlichen Dank!

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  1. ah, das ist gut und praktisch!
    das werd‘ ich verlinken.

    wie geht es bei Euch?

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