Blog

Altersteilzeit – Pension

In AK Info, Arbeitszeiten, BR-Info, GPA Info, Info on Mittwoch, 25. März 2009 at 13:29

Gleitend in die Pension

Altersteilzeit ermöglicht älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, in den letzten Jahren vor der Pension weniger zu arbeiten – ohne allzu große finanzielle Einbußen und ohne Beeinträchtigung der jeweiligen Pensions- und Abfertigungsansprüche.

Ab 1. Jänner 2004 wurden vom Gesetzgeber jedoch einige Hürden eingebaut, die eine Inanspruchnahme der Altersteilzeit erschweren.

Die Voraussetzungen im Detail:
Das Mindestalter für die Inanspruchnahme der Altersteilzeit wird jährlich bis 2012 schrittweise angehoben und beträgt:

  • 2009: Frauen 53 Jahre, Männer 58 Jahre
  • 2010: Frauen 53,5 Jahre, Männer 58,5 Jahre
  • 2011: Frauen 54 Jahre, Männer 59 Jahre
  • 2012: Frauen 54,5 Jahre, Männer 59,5 Jahre

Die maximale Dauer der Altersteilzeit richtet sich nach dem individuellen Pensionsstichtag. Geförderte Altersteilzeit ist maximal bis zum frühestmöglichen Pensionsstichtag möglich.

Pensionsantritt berechnen

Ab 2013 kann die Altersteilzeit frühestens fünf Jahre vor dem Pensionsstichtag für die Alterspension (Männer 65. Lebensjahr und Frauen 60. Lebensjahr) in Anspruch genommen werden.

In den letzten 25 Jahren muss die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer mindestens 780 Wochen (15 Jahre) arbeitslosenversicherungspflichtig beschäftigt (also nicht geringfügig) gewesen sein. Die Rahmenfrist von 25 Jahren wird um arbeitslosenversicherungsfreie Zeiten der Betreuung von Kindern (bis zur Vollendung des 15 Lebensjahres) erstreckt.

Vor Beginn der Altersteilzeit muss das Arbeitsverhältnis beim selben Arbeitgeber bereits mindestens 3 Monate gedauert haben.

Innerhalb des letzten Jahres vor Beginn der Altersteilzeit muss man vollzeitbeschäftigt gewesen sein. Als Vollzeitbeschäftigung gilt auch ein Arbeitszeitausmaß höchstens um 20 % unter der gesetzlichen bzw kollektivvertraglichen Normalarbeitszeit. Diese Voraussetzung gilt unabhängig davon, ob man im letzten Jahr vor der Altersteilzeitbeschäftigung beim selben Arbeitgeber beschäftigt war. Wer also im letzten Jahr vor Beginn der Altersteilzeit beim selben oder einem anderen Arbeitgeber nur teilzeitbeschäftigt war, kann Altersteilzeit nicht in Anspruch nehmen.

Ausgeschlossen von der geförderten Altersteilzeit sind alle, die eine Leistung aus der Pensionsversicherung, Sonderruhegeld nach dem Nachtschwerarbeitsgesetz oder einen Ruhegenuss von einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft beziehen oder zumindest die Anspruchsvoraussetzung für eine dieser Leistungen erfüllen.

Die Vereinbarung der Altersteilzeit mit dem Arbeitgeber muss folgende Punkte beinhalten:
Die wöchentliche Normalarbeitszeit muss auf mindestens 60 bis maximal 40 % reduziert werden. Innerhalb dieser Bandbreite ist die Verringerung der Arbeitszeit festzulegen und gilt dann für die gesamte Laufzeit der Altersteilzeit.

Der Arbeitgeber muss sich verpflichten, einen Lohnausgleich zumindest für die Hälfte des durch die Arbeitszeitverringerung eintretenden Verlustes zu gewähren. Als Basis für die Berechnung des Lohnausgleichs gilt der Durchschnittsverdienst des letzten Jahres vor Beginn der Altersteilzeit. Hat das Arbeitsverhältnis noch kein Jahr gedauert, ist der Durchschnitt der kürzeren Dauer des Arbeitsverhältnisses (mindestens 3 Monate) heranzuziehen.

Der Arbeitgeber muss sich verpflichten, die Sozialversicherungsbeiträge (Kranken-, Unfall-, Pensions- und Arbeitslosenversicherung) auf Grundlage des Einkommens vor Herabsetzung der Normalarbeitszeit zu entrichten.

Eine allfällige Abfertigung muss auf Basis der Arbeitszeit vor Beginn der Altersteilzeit berechnet werden. Die Abfertigung wächst daher mit Lohnerhöhungen während der Altersteilzeit auch weiter mit.

Bitte beachten:
Die Altersteilzeit ist mit dem Dienstgeber schriftlich zu vereinbaren. Entwurf einer Mustervereinbarung sowie ausführliche Information.

Sonderregelung für geblockte Altersteilzeit:
Geblockte Altersteilzeit bedeutet, dass eine bestimmte Zeit mehr gearbeitet wird als die reduzierte Normalarbeitszeit gemäß der Altersteilzeitvereinbarung beträgt und dafür Ausgleichsphasen entstehen, in denen nicht gearbeitet wird. Zum Beispiel wird während der halben Laufzeit voll weiter gearbeitet und die zweite Hälfte dafür nicht mehr gearbeitet.

Krankenstand
Während der Arbeitsphase erhält der Arbeitnehmer aufgrund des Ausfallsprinzips das Krankenentgelt auf der Basis des Teilzeitentgeltes zuzüglich des Lohnausgleiches. Im Falle eines bereits reduzierten Krankenentgelts ist dieselbe Berechnungsbasis heranzuziehen.
Erkrankungen während der Freizeitphase ändern an der fortlaufenden Zahlung des Teilzeitentgeltes und des Lohnausgleiches nichts, und zwar unabhängig von der Dauer der Erkrankung. Da keine Arbeitspflicht mehr besteht, kann die Arbeit nicht aus Krankheitsgründen ausfallen. Das laufende Entgelt gebührt dem Arbeitnehmer bereits aus der in der Vergangenheit tatsächlich erbrachten Arbeitsleistung.

Urlaub
Unabhängig vom Umstand, dass der Arbeitnehmer während der Freizeitphase keine Arbeitsleistung erbringt, ist davon auszugehen, dass der Urlaubsanspruch trotz Freizeitphase für jedes Urlaubsjahr entsteht. Der Urlaubsverbrauch scheitert jedoch während der Freizeitphase daran, dass diese Zeit als eingearbeitet gilt und für ohnedies entgeltpflichtige arbeitsfreie Zeiträume ein Urlaubsverbrauch nicht rechtswirksam vereinbart werden kann.

Tipp!
Soll am Ende des Arbeitsverhältnisses kein Urlaub abgegolten werden, gibt es zwei Möglichkeiten:

1. Sämtliche während der Altersteilzeit anfallende Urlaube werden durch die Vereinbarung ausreichender Urlaubsvorgriffe und einen entsprechenden tatsächlichen Urlaubsverbrauch in der Arbeitsphase untergebracht.
Beispiel:
Der Arbeitnehmer hat Anspruch auf 6 Wochen Urlaub im Urlaubsjahr. Bei einer 5-jährigen Altersteilzeitvereinbarung mit geblockter Altersteilzeit für 2,5 Jahre wird der gesamte Urlaub von 5 x 6 Wochen bereits in den ersten 2,5 Jahren verbraucht.

2. Es wird vereinbart, dass das Ausmaß der in der Freizeitphase entstehenden Urlaubsansprüche in der Arbeitsphase nicht „eingearbeitet“ wird und die jeweiligen (Urlaubs)wochen daher als grundsätzlich zu leistende Arbeitszeit offen bleiben. Zusätzlich wird die Vereinbarung getroffen, dass der Arbeitnehmer gerade in diesen Wochen seinen Jahresurlaub verbraucht.
Beispiel:
Der Arbeitnehmer hat Anspruch auf 6 Wochen Urlaub im Urlaubsjahr. Bei einer 4-jährigen Altersteilzeitvereinbarung mit geblockter Altersteilzeit für 2 Jahre werden für alle 2 Jahre der Freizeitphase jeweils nur 46 Wochen in der Arbeitsphase „eingearbeitet“. In den übrigen 6 Wochen eines jeden Jahres konsumiert der Mitarbeiter den im jeweiligen Jahr der Freizeitphase anfallenden Urlaub. Wird der Arbeitnehmer im Urlaub während der Freizeitphase allerdings krank, bleibt der Urlaub im Sinne des Urlaubsgesetzes offen!

Eine geblockte Altersteilzeit kann aber nur in Anspruch genommen werden, wenn zumindest für die Ausgleichsphase eine Ersatzkraft eingestellt wird.

Bei einer geblockten Altersteilzeit, die vor dem 1. Jänner 2013 beginnt, darf die Ausgleichsphase (Freizeitphase) maximal 2,5 Jahre betragen.

Die Förderung des Arbeitgebers
Der Arbeitgeber erhält vom Arbeitsmarktservice (AMS) Altersteilzeitgeld als Ausgleich für die Mehrkosten durch den Lohnausgleich und die höheren Sozialversicherungsbeiträge.

Das höchst mögliche Altersteilzeitgeld umfasst:
Den von ihm gewährten Lohnausgleich. Das AMS ersetzt die Lohnkosten im Ausmaß der Hälfte der Arbeitszeitreduktion (das heißt bei einer Arbeitszeitverringerung um beispielsweise 50 % finanziert das AMS 25 % des Lohnes), aber nur bis zu einem Gesamtverdienst während der Altersteilzeit bis zur Höchstbeitragsgrundlage (4.020 Euro monatlich im Jahr 2009).

Die Mehrkosten, die durch die Entrichtung der Sozialversicherungsbeiträge auf Basis des Verdienstes vor Beginn der Altersteilzeit entstehen.

Die volle Förderung erhält der Arbeitgeber aber nur, wenn er eine zuvor arbeitslose Person oder einen Lehrling als Ersatzkraft zusätzlich einstellt. Ohne Ersatzkrafteinstellung erhält der Arbeitgeber nur die Hälfte der maximal möglichen Förderung.

Einstellung einer Ersatzkraft
Jede zusätzlich über der Geringfügigkeitsgrenze (im Jahr 2005 monatlich 323,46 Euro) beschäftigte Person, die zuvor arbeitslos war oder ein zusätzlich ausgebildeter Lehrling, der zuvor nicht arbeitslos gewesen sein muss, gilt als Ersatzkraft. Die Ersatzkraft muss nicht für die Tätigkeit des Altersteilzeitarbeitnehmers aufgenommen werden. Es genügt die Einstellung eines Arbeitnehmers in irgend einem Bereich irgend eines Betriebes oder Betriebsteiles des selben Arbeitgebers.

Höhe des Altersteilzeitgeldes
Die Höhe liegt bei einer Verringerung der Arbeitszeit auf 40 bis 60 Prozent zwischen 70 und 80 Prozent des bisherigen Brutto-Einkommens. Pension und Abfertigung bleiben gleich.

AK-Forderung: Alter(n)sgerechte Personalpolitik
In den nächsten fünf bis zehn Jahren wird das Durchschnittsalter der Erwerbstätigen in der gesamten Europäischen Union rapide ansteigen. Die über 45jährigen werden zur größten Gruppe unter den Erwerbstätigen anwachsen. Diese Tatsache erfordert nicht nur ein politisches sondern auch ein gesellschaftliches Umdenken. Es ist schlichtweg absurd, wenn Beschäftigte ab 45 in Unternehmen und am Arbeitsmarkt weiter als Problemgruppe angesehen werden.

Menschen werden zukünftig nicht nur länger als bisher erwerbstätig sein müssen, sondern sie sind auch zu befähigen, bis zum Pensionsalter gesund und motiviert einer produktiven Tätigkeit nachgehen zu können. Gefragt ist ein Paradigmenwechsel von einer derzeit sehr kurzfristig agierenden Personalpolitik hin zu einer langfristig angelegten.

Zu den wichtigsten Eckpunkten einer solchen Personalpolitik zählen aus Sicht der Arbeiterkammer nicht nur eine ausgewogene Altersstruktur im Unternehmen, sondern in weiterer Folge auch die kontinuierliche innerbetriebliche Weiterbildung der Beschäftigten aller Altersgruppen, die Sicherung des sog. „Wissenstransfers“ zwischen Jung und Alt, die Entwicklung und Installierung alter(n)sgerechter und vor allem altersgemischter Beschäftigungs- und Tätigkeitsfelder, dem Alter entsprechende Arbeitsbedingungen und die Entwicklung präventiver Maßnahmen zur Sicherung des Gesundheitszustandes der Mitarbeiter/-innen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: