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Virtuelle Netzwerke

In AK Info, ÖGB Info, Info, Pressemitteilung on Freitag, 06. März 2009 at 11:53

Soziale Netze wie Facebook werden auch von NPOs immer öfter gerne genutzt. Der Umgang damit sollte bewusst sein.

Facebook ist eine Austauschplattform im World Wide Web: Über 150 Millionen aktive UserInnen sind weltweit registriert. Wachstumstendenz: stark steigend. Seit die Webseite vom Englischen auch in andere Sprachen übersetzt wurde, verzeichnet die soziale Netzwerkseite auch außerhalb der USA enorme Zuwachsraten, insbesondere auch im deutschsprachigen Raum.

Erfolg im Zeitraffer
Nur wenige Jahre liegen zwischen dem Start von Facebook und diesen gigantischen Mitgliederzahlen: Der Harvard-Student Mark Zuckerberg entwickelte 2004 die Web-Austausch-Plattform für seine MitstudentInnen, die jedoch binnen eines Jahres zu einer landesweiten Studentenplattform expandierte. Anstatt an der elitären Web-Studentengemeinschaft festzuhalten, entschieden sich die Facebook-Macher für allgemeine Zugänglichkeit. Die »Offen für alle«-Politik dürfte ein wesentliches Erfolgsmerkmal von Facebook sein: So gehörte Facebook bereits im Oktober 2007 mit 50 Millionen UserInnen zu den größten Netzwerkportalen. Aufgrund der Sprachbarriere konnte Facebook gegenüber den europäischen (Nachahmer-)Netzwerkseiten vorerst nicht konkurrieren. Seit 2008 auch andere Sprachversionen von Facebook bestehen, erschließt Facebook vermehrt auch den europäischen Raum. Innerhalb eines knappen Jahres, bis August 2008, verdoppelte sich die Zahl der aktiven Facebook-NutzerInnen auf 100 Millionen, und wie es aussieht wird sich diese Zahl bis Mitte 2009 noch einmal verdoppeln.

Virtuelle Interaktion
»Social networks« – wozu neben Facebook auch Xing, studiVZ, wer-kennt-wen (und viele mehr) gehören – sind Plattformen, die der menschlichen Kommunikation, Vernetzung und Zusammenarbeit dienen. Häufig fallen damit in Verbindung auch Schlagworte wie Web 2.0, Mit-Mach-Web oder Soziale Software: Damit ist im Wesentlichen eine Technik gemeint, die erlaubt, dass im Netz heute jede/r aktiver Teil sein kann. Der/die moderne UserIn konsumiert das Web schon lange nicht mehr wie eine Zeitung, sondern stellt Fotos, Kommentare, Dateien, Themen, Videos – Inhalte in jeder erdenklichen Form – in das Netz. Besonders häufig tun sie dies eben in Soziale Netzwerkseiten wie facebook.

Spiel und Spaß
Die Registrierung bei Social-Network-Plattformen ist mit realen Namen üblich. Je nach Ausrichtung stellen die Mitglieder der sozialen Netzwerkseiten unterschiedliche Inhalte ins Netz: Business-Interessen (z. B. berufliche Schwerpunkte bei Xing), private Daten (z. B. feucht-fröhliche Partyfotos beim Jugend dominierten StudiVZ) oder eine coole Mixture aus beidem: Facebook. Die Plattform bietet viel technischen Schnickschnack und lässt ihre NutzerInnen frei wählen, mit welchen Anwendungen sie ihr »Profil« aufpolieren: Von der virtuellen Landkarte, die mit Stecknadeln alle besuchten Plätze anzeigt, bis zu buddhistischen Weisheiten bietet Facebook (fast) alles, was das Herz begehrt. Die Plattform stellt die Möglichkeit zur Verfügung, und NutzerInnen steigen darauf ein. Facebook-NutzerInnen geben sich betont lässig. Usus sind kurze Sager (Statusmeldungen), die Aufschluss über die jeweilige Befindlichkeitslage geben. Dabei gehört es nicht zum guten Ton, großartige Neuigkeiten unters Volk zu bringen, sondern vielmehr um triviale Unterhaltung.

Beispiel:
Statusmeldung: »Mona Musterfrau kratzt der Hals«
Kommentar von Thomas Mustermann: »Diagnose Halskratzen: erste Grippe-Symptome oder mehr Weichspüler beim Waschen des Rollis verwenden«

Mensch aus Glas
Natürlich ist der gläserne Mensch seit Google, Kreditkarten, e-card und Überwachungskameras ohnehin längst Realität. Private Fotos und Informationen in Verbindung mit echten Namen in einer sozialen Netzwerkplattform machen den letzten Rest an Intimsphäre zum Allgemeingut. Personenbezogene Suchmaschinen erledigen die Effizienz. In Sekunden werden persönliche Daten zu jeder x-beliebigen Person automatisch geordnet und strukturiert.

Wozu früher Geheimdienste Monate gebraucht haben, kann der Laie heute in Minuten recherchieren. Welche Bücher kauft die Zielperson, welche Freunde hat sie, welche Hobbys, Einstellungen und Jobs. Wie sieht sie auf Partys aus und so weiter. Ein solch umfassendes Profil von jemanden zu recherchieren, der sich im Netz aufhält, ist ein leichtes und schnelles Unterfangen. Ganz zu schweigen von dem, was Internet-Multis wissen. Jede Suchanfrage, jeder Schritt im Web wird de facto registriert. Gerade die Netzwerkseiten geraten aufgrund des Datenschutzes immer wieder unter Kritik. Richtig ist, keiner weiß so ganz genau, was mit den Daten in Zukunft noch passiert. Richtig ist auch, dass Vorsicht nicht schaden kann.

Verantwortung übernehmen
Interessant ist, dass User-NormalverbraucherInnen dennoch auf jegliche Privatsphäre freiwillig verzichten. So bieten fast alle Plattformen ihren Mitgliedern an, Daten nicht über Suchmaschinen auffindbar zu machen und nur für das eigene persönliche Netzwerk sichtbar zu machen. Die individuelle Privatsphäre wird jedoch selten benutzt und eingestellt. Dabei ist der Mensch im Web weitaus öffentlicher als auf der Straße. Im Unterschied zur Straße finden die UserInnen im Web offensichtlich wenig dabei, Wildfremden (oder künftigen Chefs) frivole Partyfotos zu zeigen.

Macht und Geld
Im Web bekennen sich UserInnen allerdings nicht nur zum letzten Rausch, sondern auch zu vielem anderen: zu NGOs, Vereinen, Politikern … US-Präsident Barack Obama hat beispielsweise über fünf Millionen Facebook-Kontakte. Chef der Online-Organizing-Kampagne von Obama war Chris Hughes. Der ist neben Zuckerberg ein Mitbegründer von Facebook.

Obamas Wahlkampfstrategen haben die Macht unterschiedlicher Kommunikationsmedien erkannt, sich die richtigen Profis ins Boot geholt und auf diesem Weg Zielgruppen erreicht, die sie über herkömmliche Medien nicht oder zu wenig ansprechen hätten können. Sicher auch für NPOs eine Möglichkeit Mitglieder zu gewinnen und zu betreuen. Die wenigsten werden sich natürlich einen Facebook-Co-Chef wie Chris Hughes leisten können.

Denn die Leute bei Facebook verdienen nicht schlecht. Das Interesse von Konzernen an solchen Plattformen, wo Menschen viele persönliche Daten hineinstellen, ist groß. 240 Millionen Dollar ließ sich im Jahre 2007 Microsoft die 1,6-prozentige (!) Beteiligung an Facebook kosten. Das würde bedeuten, dass Facebook 15 Milliarden Dollar wert ist. Wahrscheinlich ist, dass sich Microsoft im Kampf mit Google um Daten einen Platz sichern wollte. Wer glaubt, dies sei eine Ausnahme, irrt. Umgerechnet etwa 100 Euro hat die Verlagsgruppe Holtzbrinck 2007 für jeden/jede registrierte/n UserIn bei StudiVZ bezahlt.

Fortschritt und Demokratisierung
Facebook ist ohne Frage eine ausgeklügelte Plattform. Dem technischen Fortschritt schuld an Manipulation und Datenmissbrauch zu geben, ist etwas zu kurz gegriffen. Die Entwicklungen gehen so schnell, dass Alltags-UserInnen das Web in seiner ganzen Bandbreite an Gefahren und Chancen (noch) nicht erfassen konnten.

Noch langsamer scheinen traditionelle Organisationen und Betriebe neue Kommunikationsformen zu erlernen, da diese entweder kaum oder ungeschickt genutzt werden.

Arbeit & Wirtschaft
15.02.2009
Von Elke Radhuber

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