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Währungswetten der Einzelhändler

In Info, METRO Geschichte, Pressemitteilung on Freitag, 27. Februar 2009 at 0:00

Mit der Finanzierung ihrer Ostexpansion in billiger Westwährung, sind einige Einzelhändler zu Carry-Tradern mutiert.


Viel ist es bekanntlich nicht, was man vom Studium behält. Zu der Handvoll Grunderkenntnisse, die ein BWLer eigentlich nicht mehr vergessen sollte, gehört die, dass eine bilanzielle Fristenkongruenz erstrebenswert ist, und die, wonach es so gut wie immer einen Zusammenhang zwischen Rendite und Risiko gibt. Vor allem Banker scheinen dieses Wissen schon kurz nach Arbeitsantritt zu verdrängen. Sei es, wie bei der Hypo Real Estate, dass langfristige Hypotheken kurzfristig refinanziert wurden. Oder aber, dass professionelle Anleger statt sicherer Staatsanleihen lieber (marginal) höher verzinsliche strukturierte US-Hypothekenpapiere kauften, nur weil ein paar unreife Sesselpupser der Ratingagenturen beiden Anlageformen ein dreifaches A testierten. Auch bei den berüchtigten Währungswetten (Carry-Trades) werden Risiko und Rendite in Summe falsch interpretiert.

Das bekommen jetzt auch forsche Akteure aus der sogenannten Realwirtschaft zu spüren. So haben zahlreiche europäische Einzelhändler ihre Expansion nach Osteuropa in Euro oder Dollar finanziert. Auf eine Währungskongruenz wurde verzichtet, da man sich – zur kurzfristigen Freude – in den Westwährungen billiger Geld leihen konnte. Die Analysten von JP Morgan illustrieren, wie sich heuer diese Politik, nachdem die Ostwährungen im Schnitt um 20 bis 30 Prozent gefallen sind, rächen wird. Beispiel Metro: Real und Media Markt mieten ihre Läden – in Westwährung. Damit bleibt die Zinslast in Euro gerechnet gleich, während der Umsatz im Jahresvergleich in Euro gerechnet um 20 bis 30 Prozent einbricht. Die dortige Marge würde um über einen Prozentpunkt schrumpfen, das Konzern-Ebit damit um zwei Prozent. Auch mit seinen im Eigenbesitz befindlichen C&C-Märkten würde Metro leiden. Ihr Wert sinkt derzeit ohnehin schon in lokaler Währung, aber noch mehr in Euro, der Währung, in der Metro die Immobilien finanziert hat.

Bei Praktiker sieht die Bank das Vorsteuerergebnis aufgrund der Mietwährung um acht Prozent schrumpfen. Der britische Rivale Tesco hingegen hat den Großteil seiner Währungsflanken abgesichert. Zwar kann sich auch diese Firma nicht den Einbußen durch den Translationseffekt entziehen, doch kann man das als Kerngeschäftsrisiko werten, während Metro und andere unnötige Währungswetten eingingen. Das dürfte mit ein Grund sein, warum laut UBS die Aktien von Firmen mit hohem Osteuropaanteil seit Juni 2008 um 46 Prozent schlechter als der europäische Markt abgeschnitten haben.

Financial Times Deutschland
26.02.2009

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