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Sonntagseinkäufe bleiben auch in Zukunft eine Illusion

In Arbeitszeiten, Info, Pressemitteilung on Freitag, 23. Januar 2009 at 0:00

Österreichs Wirtschaft sieht die längeren Öffnungszeiten als eine positive Maßnahme, die mehr Flexibilität für die Unternehmen und mehr Service für die Kunden bringt. Sonntagsöffnung ist aber kein Thema.
In vielen europäischen Staaten ist das Sonntagsshopping schon lange kein Aufreger mehr. Im erzkatholischen Polen können sich die Konsumenten sieben Tage die Woche rund um die Uhr dem Kaufrausch hingeben; die Berliner erledigten ihre Einkäufe in der Vorweihnachtszeit ebenfalls sonntags und wer will hält werktags 24 Stunden seine Türen für den Konsumenten offen.

In unseren Breitengraden spricht sich eine Mehrzahl für die Aufrechterhaltung der Sonntagsruhe aus und somit bleiben die Rollläden am siebenten Tag der Woche weiterhin geschlossen. Mit dieser Regelung ist Österreich im internationalen Vergleich sehr restriktiv.

Argumente

Wirtschaftskammerpräsidentin Brigitte Jank kann sich eine liberalere Öffnungszeitenpolitik für Wien nicht vorstellen: „Die Sonntagsöffnung ist sicherlich in der nächsten Zukunft kein Thema. Die Mehrheit der österreichischen Bevölkerung legt keinen Wert darauf und daher macht das für die Unternehmer wirtschaftlich keinen Sinn.“ Dies bestätigt auch eine breit angelegte Umfrage der Wirtschaftskammer unter der Wiener Bevölkerung, Touristen, Hotellerie, Gastronomie und Handel, bei der erhoben wurde, dass lediglich neun Prozent der Befragten eine Öffnung der Geschäfte am Sonntag wünschen.

Den vor einem Jahr gesetzten Liberalisierungsschritt bei den Öffnungszeiten von 66 auf 72 Stunden pro Woche sieht Jank hingegen als positive Maßnahme, die mehr Spielraum für die Kunden und den Handel bringt. Profiteure der neuen Regelung seien der Möbel-, Lebensmittel-, Buch-, Textil- und Kosmetikhandel. „Eine signifikante Steigerung des Umsatzes ist nicht zu bemerken, die Unternehmer sind einfach in ihrer Serviceleistung einen Schritt weiter gegangen. Diese Regelung war gut und richtig, reicht aber auch aus“, betont Jank.

Die großen Lebensmittelketten wie Billa und Spar haben die neuen Öffnungszeiten standortspezifisch und nach den Gewohnheiten der Kunden angepasst. In den Nahversorgungsmärkten und an den Pendlerstandorten punktete man in den Morgenstunden vermehrt mit Frühstücksangeboten. Die Shoppingcenter kamen vor allem in den Abendstunden auf ihre Rechnung. Von Sonntagsöffnungszeiten hält Spar jedoch nichts. „Spar ist in vielen Ländern tätig, in denen das Einkaufen auch am Sonntag und rund um die Uhr möglich ist. In Ungarn gibt es sogar Mitbewerber, die ihre Türen 24 Stunden für den Konsumenten offenhalten. Das ist aus unserer Sicht aber nicht notwendig, denn die drei Kunden, die in der Nacht zum Einkaufen kommen, verursachen hauptsächlich Mehrkosten“, sagt Nicole Berkmann, Pressesprecherin bei Spar.

Laut Rudolf Richter, dem obersten Center-Manager bei Ekazent Immobilien GmbH, nutzen die Mieter der Ringstrassen-Galerien die längeren Öffnungszeiten nicht, da ab 19 Uhr kein Kunde mehr im Einkaufszentrum anzutreffen ist. „Wir haben über ein Dreivierteljahr lang die längeren Öffnungszeiten genutzt. Trotz intensiver Werbung blieb die Kundschaft aus, darum haben wir die Öffnungszeiten wieder zurückgenommen. Eine längere Probe hätten viele kleine Händler nicht überlebt“, schildert Richter.

Gefahrenzone

Manfred Wolf, Sekretär der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA), erachtet die bestehenden Öffnungszeiten ebenfalls als vollkommen ausreichend, denn viele Händler schöpfen nicht einmal die erlaubte Höchststundenanzahl pro Woche aus, außer zu besonderen Zeiten wie Weihnachten. Wolf wittert sogar die Gefahr, dass eine liberalere Ladenöffnungszeit eine unmittelbare Auswirkung auf die Beschäftigung in Österreich haben könnte. „Diese Verhandlungen wären die Eintrittskarte für eine generelle Sonntagsbeschäftigung. Dies würde sogar so weit führen, dass in Zukunft das Argument „Wochenenddienst“ nicht mehr ausreichen wird, um einen besseren Stundenlohn zu bekommen. Sonntagszuschläge bekommen Ärzte, Politiker und alle anderen zurzeit nur deswegen, weil die Mehrheit der Bevölkerung am Sonntag keiner geregelten Arbeit nachgeht“, so Wolf. Die sukzessive Verlängerung der Ladenöffnungszeiten in den Jahren 1989, 1997 und 2003 führte auch nicht zu mehr Vollzeitarbeitsplätzen, sondern lediglich zu einer vermehrten Einstellung von Teilzeitkräften. Vor allem im Handel ist eine Umwandlung von Vollarbeitsplätzen in Teilzeit- oder geringfügige Beschäftigungsverhältnisse zu beobachten.

Ikea nutzt die Öffnungszeiten im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten aus und wünscht sich für die Zukunft eine liberalere Einstellung zum Thema Sonntagsöffnungszeiten. „Aufgrund der Neuregelung konnten wir rund 100 neue Arbeitsplätze schaffen. Zum Teil sind das Teilzeit- und geringfügig Beschäftigte, aber auch Vollzeitbeschäftigte“, sagt Barbara Riedl, Pressesprecherin bei Ikea. Ihrer Ansicht nach gibt es viele Mitarbeiter, die aufgrund der Zuschläge auch gerne am Sonntag arbeiten.

medianet
22.01.2009

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