Konzernchef Eckhard Cordes stärkt die Rolle von Finanzchef Unger, um ihn an das Unternehmen zu binden. Nach Handelsblatt-Informationen soll der 48-Jährige künftig auch die Konzernrevision sowie die Sparten Kaufhof und Metro-Saturn verantworten. Der Finanzvorstand war zuvor von Metro-Hauptaktionär Haniel heftig umworben worden.
Deutschlands größter Handelskonzern Metro steht vor einem Umbau seines Vorstands. Das erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen des Düsseldorfer Unternehmens. Der Aufsichtsrat müsse den Plänen von Vorstandschef Eckhard Cordes aber noch zustimmen. Im Mittelpunkt des Umbaus steht Finanzchef Thomas Unger.
Unger soll zusätzliche Kompetenzen in der Metro-Führung bekommen – und damit von einem Weggang abgehalten werden. Der 48-jährige Wirtschaftsingenieur habe intern den Gedanken geäußert, seinen bis 2012 laufenden Vorstandsvertrag vorzeitig zu kündigen, heißt es in den Konzernkreisen. Unger selbst wollte dies nicht kommentieren.
Zwischen Unger und Vorstandschef Cordes, die sich gegenseitig duzen, soll es seit März kriseln. Damals hatte Metros Hauptaktionär Haniel versucht, Unger abzuwerben und den Metro-Finanzchef zum Vorstandsvorsitzenden der eigenen Duisburger Familienholding zu befördern. Dieses Amt bekleidet Metro-Chef Cordes derzeit noch in Personalunion.
Zu dem Aufstieg wird es aber nicht kommen, wie Unger selbst bestätigt. Dabei ist ein Nachfolger für Cordes an der Haniel-Spitze immer noch nicht gefunden. Die Duisburger Familie habe Kontakt zu zahlreichen deutschen Topmanagern aufgenommen – darunter Thomas Rabe von Bertelsmann, Fiege-Vorstand Carsten Taucke und Ex-Schaeffler-Finanzvorstand Thomas Hetmann, heißt es in Kreisen. Doch die Gespräche endeten ergebnislos.
Die Erweiterung von Ungers Verantwortung bei Metro unterstreicht die Tatsache, wie wichtig der erfahrene Finanzexperte für den Handelskonzern geworden ist. Mit dem Hinweis auf die tragende Rolle des Finanzchefs hatte Vorstandschef Cordes schon im April Bedenken gegen Ungers Wechsel in die Haniel-Zentrale geäußert. Auch die übrigen Metro-Aktionäre, zu denen die Familie Schmidt-Ruthenbeck und Otto Beisheim zählen, seien von den Plänen wenig begeistert gewesen, heißt es.
Mit dem deutlichen Kompetenzgewinn will Cordes Unger nun offenbar an die Metro binden. Neben seinen bisherigen Ressorts Finanzen und Immobilien soll Unger künftig nicht nur die Konzernrevision, die derzeit Cordes untersteht, verantworten, sondern auch die Konzernsparten Kaufhof und Media-Saturn. Sie waren bislang im Metro-Vorstand nicht verankert und wurden ebenfalls von Cordes betreut.
Ein Konzernsprecher wollte die Situation nicht kommentieren. Für Cordes steht viel auf dem Spiel. Gelingt es ihm nicht, Unger zu halten, entstünde in der Düsseldorfer Konzernzentrale eine tiefe Lücke. Der gebürtige Schwabe nämlich ist verantwortlich für das kürzlich verkündete Effizienzprogramm „Shape 2012“, mit dem Cordes das Handelsunternehmen rentabler machen will.
Der unscheinbar auftretende Unger wird nicht nur in Handelskreisen hoch gehandelt. Nachdem er nach dem Weggang von Metro-Chef Hans-Joachim Körber zunächst kurzzeitig den Konzern nach außen präsentiert hatte, wurde Unger gerüchteweise sogar als Nachfolger des seinerzeitigen Telekom-Finanzchefs Karl-Gerhard Eick gehandelt.
Hohen Respekt verschaffte er sich beim Börsengang der ehemaligen Baumarkttochter Praktiker, mit dem er das Working-Capital und damit die Verschuldung des Konzerns nach unten drückte. Auch der lukrative Verkauf der Verbrauchermarktkette Extra an Rewe geht im Wesentlichen auf sein Konto.
In der derzeitigen Situation könnte Cordes selbst von einem Vorstandsumbau profitieren, falls es ihm gelingt, einzelne Aufgaben zu delegieren. Denn seine Doppelbelastung an den Konzernspitzen von Metro und Haniel zeigt inzwischen unliebsame Folgeerscheinungen.
Am Mittwoch voriger Woche hatte eine Presseveröffentlichung von Celesio eine Führungspanne offenbart. Der Chef von Haniels Pharmatochter, Fritz Oesterle, hatte den Kauf von zunächst 54 Prozent an der brasilianischen Panpharma angekündigt, war dann aber von Haniel-Chef Cordes zurückgepfiffen worden, weil bestimmte Fragen der Übernahme noch ungeklärt seien. Analysten wiesen darauf hin, dass Celesio den Kauf in Brasilien über neue Schulden finanziere. Dies habe möglicherweise zunächst Bedenken bei der Familie Haniel ausgelöst.
Die Unstimmigkeiten in der Haniel-Führung hatten nicht nur an der Börse zu Verstimmungen geführt, auch in der Haniel-Familie hatte das Hin und Her für Unruhe gesorgt. Das Verhältnis zwischen Cordes und Oetserle gilt als nicht frei von Spannungen. Gestern aber ließ Haniel wissen, Cordes und Oesterle seien nach Brasilien aufgebrochen, um gemeinsam die Panpharma-Übernahme abzuschließen.
handelsblatt.com
Von Christoph Schlautmann
06.07.2009




