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Eckhard Cordes im Interview

In Info, METRO Geschichte, Pressemitteilung on Sonntag, 05. Juli 2009 at 13:23

„Metro-Umbau stärkt Düsseldorf“

Metro-Chef Eckhard Cordes spricht im Interview mit unserer Redaktion über die Zukunft der Warenhäuser in Deutschland, das Sparprogramm für die Metro, die Folgen für den Standort Düsseldorf und fehlende Spielräume für Steuersenkungen.

Herr Cordes, Sie bekämpften Staatshilfe für Arcandor, nun bekommt Quelle Geld. Wie finden Sie das?
Cordes: An meiner generellen Ablehnung von Staatshilfe für seit Jahren angeschlagene Unternehmen hat sich nichts geändert. Und übrigens hat das nichts mit Quelle oder Arcandor zu tun, sondern mit Glaubwürdigkeit. Glaubwürdigkeit der Politik und nicht zuletzt auch der Wirtschaft selbst, für die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft einzutreten. Dauerhaft sichere Arbeitsplätze gibt es nur in Firmen, die auf eigenen Füßen stehen.

Dass Arcandor die Insolvenz droht, müsste Sie aber freuen. So können Sie sich Karstadt günstig einverleiben.
Cordes: Nein. Das freut uns nicht. Der Plan einer Warenhaus AG ist viel älter als die aktuellen Ereignisse um die Insolvenz von Arcandor. Er wurde übrigens von Arcandor-Seite im letzten Jahr und noch in diesem Frühjahr an uns herangetragen. Wir waren bereits in konstruktiven Gesprächen.
Unsere Überlegungen zur Rettung von etwa 60 Karstadt-Warenhäusern sind unabhängig von der Insolvenz. Wir bieten damit der großen Mehrheit der Karstadt-Mitarbeiter eine sichere Zukunft in einem erfolgreichen Unternehmen. Und wir registrieren, dass diese Paket-Lösung inzwischen von vielen Beteiligten, übrigens auch von den Arbeitnehmern, als sinnvoll angesehen wird.
Jetzt macht der Insolvenzverwalter, Herr Görg, seine Arbeit. Dazu benötigt er Zeit, und wenn seine Planungen fertig sind, werden wir miteinander reden. Wir sind da ganz entspannt.

Haben die Warenhäuser in Deutschland überhaupt eine Zukunft?
Cordes: Ja, wir glauben an die Zukunft des Warenhauses. Deutschland ist zwar einer der wettbewerbsintensivsten Einzelhandelsmärkte der Welt, doch wir sehen hier langfristig eine Zukunft für rund 160 Warenhäuser.
Unser Kaufhof zeigt ja: Warenhäuser können auch hier profitabel betrieben werden, wenn sie die verschiedenen Kundengruppen richtig ansprechen und ihnen ein echtes Einkaufserlebnis bescheren.

Bedeutet Ihre Begeisterung für die Warenhaus AG, dass die Metro sich doch nicht vom Warenhaus trennen will?
Cordes: Nein, unsere Konzeption für eine Warenhaus AG ist unabhängig von unseren strategischen Überlegungen zu sehen. Der Kaufhof ist und bleibt ein Gewinnbringer in unserem Unternehmen.
Er ist aber nicht so internationalisierbar wie unsere anderen Vertriebslinien – die Cash & Carry Großhandels-Märkte, Media Markt und Saturn sowie die Real SB-Warenhäuser.
Der Kaufhof steht hervorragend da – auch ohne Karstadt. Im derzeitigen wirtschaftlichen Umfeld sind aber weder Verkauf noch Börsengang realistisch. Daher ist es sinnvoll, zunächst einen noch werthaltigeren deutschen Warenhaus-Konzern zu formen, der in einigen Jahren zu noch besseren Konditionen als der Kaufhof in seiner jetzigen Aufstellung an die Börse gebracht werden könnte.
Wir blieben dann wichtiger Anteilseigner und würden zugleich Wert für die Eigentümer der Metro AG schaffen.

Diese Arbeit könnten Sie besser erledigen, wenn Sie den Zweitjob als Chef der Metro-Mutter Haniel abgeben. Wann wird der Nachfolger ernannt?
Cordes: Ich werde Ihnen heute kein Datum sagen können. Immerhin geht es für die Familie Haniel darum, den Chef für einen der größten und erfolgreichsten Mischkonzerne Europas zu finden.
Und gerade zwischen einem familiengeführten Unternehmen und dessen Führungskräften bedarf es eines großen Vertrauensverhältnisses. Die Familie und ich sind uns einig, dass in nicht zu ferner Zukunft die doppelte Verantwortung reduziert werden muss.
Doch bei der Suche für meinen Nachfolger geht Qualität vor Zeit. Und deshalb erfülle ich auf Bitten der Familie diese zwei Aufgaben weiterhin. Ähnlich wie bei der Warenhaus AG haben wir auch da keinen Zeitdruck.

Wie trifft die Krise die Metro?
Cordes: Die positive Nachricht: Dem Handel geht es – im Gegensatz zu anderen Branchen – noch vergleichsweise gut. Unsere Geschäfte laufen weiterhin solide. Die Baustellen sind erkannt und werden – wie bei unserem Großhandelsgeschäft in Deutschland – systematisch abgearbeitet.
Noch trifft uns die Flaute nur sehr eingeschränkt. Ich sehe aber mit gewissen Sorgen die nach wie vor kritische Lage im Maschinenbau oder der Autobranche. Wir können noch nicht abschätzen, wie mögliche größere Entlassungswellen dort das Konsumklima beeinflussen.

Was macht das Metro-Umbauprogramm „Shape 2012″?
Cordes: Wir liegen im Plan und stellen den Gesamtkonzern von seiner Struktur und seiner Kultur neu auf.
Wir schaffen die neue Metro Group. Der Kunde steht im Mittelpunkt und nicht unsere zentralen Organisationen.
Wir haben jetzt wieder die Hand am Puls unserer Kunden. Die Mitarbeiter werden wieder stärker wie Unternehmer denken und handeln.
Den ersten Meilenstein von „Shape 2012″ haben wir erreicht. Wir haben unseren bisherigen Zentraleinkauf aufgelöst und die Verantwortung hierfür auf unsere Vertriebslinien übertragen. Die Mitarbeiter dieses Bereichs wissen seit Ende Juni, ob sie nun für Real oder Cash & Carry arbeiten.
Auch die IT-Abteilungen und die Logistik arbeiten nun viel stärker dezentral.
Das ist die Voraussetzung, um unsere bis 2012 geplanten 1,5 Milliarden Euro an Effizienz- und Produktivitätssteigerung zu heben. Wir werden in wenigen Wochen detaillierter über die Fortschritte berichten.

Was heißt das für Düsseldorf?
Cordes: Die Metro Group wird gestärkt aus diesem Programm hervorgehen – und das stärkt auch den Standort Düsseldorf. „Shape 2012″ bedeutet keine Schwächung unserer Präsenz in dieser Stadt. Düsseldorf ist ja nicht nur Landes-Hauptstadt, sondern mit einem global so erfolgreichen Unternehmen wie der Metro Group auch so etwas wie die internationale Hauptstadt des Handels.

Was halten Sie von der Debatte um Steuererhöhungen?
Cordes: Höhere Steuern wären katastrophal. In der jetzigen konjunkturellen Phase verstärken sie den Abwärtstrend und verhindern eine rasche wirtschaftliche Erholung, wenn wir die Talsohle durchschritten haben. Gerade die diskutierte Mehrwertsteuer-Erhöhung würde die Falschen treffen, nämlich insbesondere die Bezieher niedriger Einkommen. Sie wäre also nicht nur konjunkturbelastend, sondern auch unsozial.

Und wie glaubwürdig sind Forderungen nach Steuersenkungen?
Cordes: Das Versprechen niedrigerer Steuern scheint mir eine Illusion. Beim derzeitigen Zustand der öffentlichen Kassen sehe ich dafür keine Spielräume und keine realpolitische Chance auf Durchsetzung.
Hier im Rheinland sagt man doch gerne, das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Manchmal ist gerade in der Steuerpolitik nichts tun sinnvoller als verschlimmbessernder Aktionismus.
Wir sollten in dieser Phase vielmehr an einer gezielten Vereinfachung des Steuersystems arbeiten: Weniger Ausnahmeregeln, eine niedrigere Progression gerade für die Mittelschicht, also die Beseitigung des leistungsfeindlichen Mittelstandsbauchs, der jede Gehaltserhöhung auffrisst.
Ich halte eine Grundsatzdebatte für unbedingt notwendig: Wir müssen Staatsaufgaben klar definieren und dann Ausgaben und Einnahmen wieder in Balance bringen.

Muss das Arbeitslosengeld sinken, damit Leute schneller Arbeit suchen?
Cordes: Ich glaube, dass die Hartz-Reformen sinnvoll waren, schon jetzt ist der Druck zur Aufnahme einer Arbeit größer als das früher der Fall war.
Aber bei dem Thema bin ich der letzte, der da Ratschläge gibt: Mein Vater war selber zeitweise arbeitslos, und er hat darum gekämpft, eine neue Stelle zu bekommen. Bis auf wenige Ausnahmen würde das wohl jeder so machen.

Das Gespräch führten Sven Gösmann, Antje Höning, Reinhard Kowalewsky und Georg Winters.
rp-online.de
04.07.2009