Die insolvente Arcandor AG ist vom potenziellen Übernahmekandidat, der Metro, stark unter Druck gesetzt worden.
Laut Metro-Chef Cordes habe Arcandor bislang keine ernsthafte Gesprächbereitschaft signalisiert.
Metro-Chef Eckhard Cordes hat mit einer scharfen Attacke auf die Arcandor-Spitze den Fusionsdruck auf den insolventen Handels- und Touristikkonzern erhöht. Der Manager warf Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick vor, bislang kein Interesse an ernsthaften Gesprächen gehabt zu haben. Die Folge sei, „dass die Häuser bald in so schlechte Verfassung kommen, dass wir statt 60 vielleicht nur 50 oder noch weniger übernehmen können“, sagte Cordes dem Magazin „Stern“. Unterdessen droht Arcandor weitere Geschäftsbereiche in den Strudel seiner Insolvenz zu ziehen.
„So wahr ich hier sitze, außer uns gibt es auf der ganzen Welt keinen einzigen Investor, der bereit ist, so viele Häuser und damit auch Arbeitsplätze zu erhalten“, wurde Cordes zitiert. Jedes Zögern und Taktieren gehe auf Kosten der Mitarbeiter. Statt ihres Gehalts bekämen sie das niedrigere Insolvenzgeld und müssten täglich um ihre Zukunft zittern.
Metro will seine Kaufhof-Warenhäuser mit den Karstadt-Filialen des insolventen Arcandor-Konzerns zu einer Deutschen Warenhaus AG fusionieren. Gespräche für eine Übernahme wurden bereits vor dem Insolvenzantrag des Essener Konzerns am Dienstag vor einer Woche aufgenommen, zwischenzeitlich aber auf Eis gelegt. Metro bekräftigte zuletzt am Wochenende, die geplante Übernahme von rund 60 Karstadt-Warenhäusern weiter voranzutreiben.
Weitere Mitarbeiter müssen um Jobs fürchten
Unterdessen berichtete die „Süddeutsche Zeitung“, dass sich die Zahl der von dem Arcandor-Zusammenbruch betroffenen 43.000 Mitarbeiter deutlich erhöhen könnte.
Demnach könnte bald der kompletten Service-Gruppe des Versandhändlers Primondo die Folgeinsolvenz drohen. Sie zählt 6.000 Beschäftigte.
Auch für Profectis, ein auf den technischen Kundendienst spezialisiertes Unternehmen, sowie für Foto Quelle sollen die Insolvenzanträge bereits in Vorbereitung sein.
Von der Pleite unberührt bleiben demnach die Primondo-Spezialversender sowie der Homeshopping-Sender HSE24.
Konzern-Sprecher Gerd Koslwoski sagte, noch sei nichts beschlossen. Welche weiteren Gesellschaften möglicherweise Insolvenz anmelden müssten, werde kurzfristig entschieden.
Wegen des Insolvenzantrages will Arcandor keinen Halbjahresbericht veröffentlichen. Die Bekanntgabe der Zahlen war eigentlich für Donnerstag geplant. Die Veröffentlichung sei aber wegen des Antrages auf ein Insolvenzverfahren gestrichen, sagte Koslowski. Die Veröffentlichung der Zahlen wurde schon zweimal verschoben. Eigentlich war die Bilanz für Mitte Mai geplant, dann wurde sie auf den 14. Juni und schließlich auf den 18. Juni verschoben.
fokus.de
16.06.2009




